Keine Babysprache mit Hunden!

Mit hoher niedlicher Stimme wird der Hund gelobt, getröstet, beruhigt und bestätigt. Was nett gemeint ist, kommt bei Hunden gar nicht gut an.

 


Inhalt:


 

Wenn wir mit niedlicher, hoher Stimme sprechen, wollen wir ausdrücken, dass wir freundlich sind, nichts Böses im Sinn haben, keine Gefahr von uns ausgeht.

 

Dagegen ist in der menschlichen Welt auch gar nichts zu sagen: Hat ein Kleinkind Angst oder weint es, beruhigen und trösten wir mit sanften, freundlichen Worten, mit hoher Stimme. So versteht sogar ein Baby, das der Sprache noch nicht mächtig ist, was das bedeutet: Hab‘ keine Angst, es ist alles in Ordnung, alles ist gut….

 

Aber erstens ist ein Hund schon erwachsen und kein Kind mehr, zweitens ist er kein Mensch und drittens deutet er eine säuselnde Stimme anders als Menschen.

 

Keine Babysprache mit Hund
„Hä? Was ist denn jetzt los!?“ Babysprache irritiert.

 

Babysprache mit Hunden: Wie das ein Hund deutet

Genauso, wie wir Menschen das Verhalten von Tieren vermenschlichen, also aus Menschensicht beurteilen, interpretieren Hunde unser Verhalten aus Hundesicht. Er verhundlicht unser Verhalten sozusagen.

Was der Hund wahrnimmt, wenn du in niedlicher Sprache mit ihm kommunizierst, ist kein freundlich ermutigender Zuspruch, sondern das Fiepen eines Welpen. Dies signalisiert Hilfsbedürftigkeit, Unselbständigkeit, Schutzbedürftigkeit.

 

Warum ein mental starker Führer wichtig ist

Babysprache mit Hunden
Eine niedliche Stimmlage signalisiert in der Menschensprache Freundlichkeit. Einen ängstlichen Hund verunsichert dies.

Ein Hund braucht ganz dringend eine klare Rollenverteilung im Rudel. Er muss wissen, wer für welche Aufgabe zuständig ist. Dazu gehört auch ein mental starker Führer – was übrigens nichts mit Dominanz zu tun hat. Ein Führer achtet auf das Rudel, gibt Schutz, fällt Entscheidungen. Aus Sicht eines Hundes bringt dieser Job übrigens nicht mehr Prestige ein als jede andere Rolle im Rudel. Jede Rolle ist gleich wichtig.

 

Wenn du diese Position nicht einnimmst, will der Hund das Rudelgleichgewicht herstellen und muss darum den Job selbst übernehmen – unabhängig davon, ob er dafür geeignet ist oder ob er sich das zutraut.

 

Welches Verhalten wünschen sich Hunde von dir?

Ob dir dein Hund zutraut, das Rudel zu leiten oder nicht, macht er an deinem Verhalten fest. Aus Hundesicht ist ein geeigneter Führer souverän. Einer, der alles im Griff hat und dies durch sein Verhalten ausdrückt.

Ein souveräner Führer ist nicht laut, sondern leise. Er ist nicht hektisch, sondern entspannt. Er ist nicht ängstlich, sondern cool. Ein souveräner Führer wirkt nicht durch Laute – schon gar nicht durch Welpenlaute –, sondern durch seine Ausstrahlung und Präsenz. Wenn du fiepst wie ein Welpe, verunsichert ihn das – umso mehr, wenn es sich um einen ängstlichen Hunde handelt.

 

 

Im Video zu sehen: Das junge Mädchen liebt ihre Hündin und zeigt dies durch niedliche Babysprache. Aber die Hündin ist ohnehin ängstlich und dieses Verhalten irritiert sie noch mehr. Was ihr Sicherheit geben würde, ist eine feste sichere Stimme, die siganlisiert: „Ich habe alles im Griff.“

Möchtest Du mehr über das richtige Verhalten Hunden gegenüber erfahren? Was Hunde hassen – und Menschen trotzdem machen.

 

Wie Hunde auf fehlende Führung reagieren

Fehlt in einem Rudel der mental starke Führer, werden ängstliche Hunde noch ängstlicher und unsichere noch unsicherer. Sie entwickeln sich zum Dauerbellern, weil sie vorsichtshalber dem Umfeld mitteilen, dass sie abhauen sollen. Oder sie verhalten sich anderen Hunden oder/und Menschen gegenüber aggressiv.

Das richtige Verhalten, das deinem Hund Sicherheit gibt, lautet: „Ich habe alles im Griff, du brauchst dich um die Situation nicht kümmern und kannst entspannen.“ Fiepende Welpenlaute bewirken das Gegenteil.

 

Maja Nowak zeigt dies wunderbar in diesem Video. Ein verunsicherter Hund bellt nonstop, um andere Menschen fern zu halten – bis sich sein Frauchen schützend vor ihn stellt und signalisiert: „Keine Sorge, ich kümmere mich um die Situation und habe die Angelegenheit im Griff.“

Es ist unglaublich, wie erleichtert der Hund ist, als er die Beschützerrolle an seine Halterin abgeben kann. Mit einem Mal hört das Dauerbellen auf.

 

Keine Babysprache mit Hunden
So sieht ein glücklicher zufriedener Hund aus. Er zeigt weder Verunsicherung noch Angst. Er fühlt sich wohl in seiner Haut, ist in seinem Rudel eingebettet – und lacht.

 

In aller Kürze: So spreche ich mit meinem Hund

  • Spreche keine niedliche Babysprache mit Hunden, sondern verwende eine feste, aber ruhige Stimme. Bei der Kommunikation, z.B. bei Kommandos, kannst du statt Worte auch Geräusche verwenden wie pst, schschsch, mmmm, mit der Zunge schnalzen etc. Bleibe immer freundlich.
  • Achte auf deine souveräne Körpersprache. Zeige mentale Stärke. Das bedeutet aber nicht, dass du nicht mehr Kuscheln oder freundliche Worte sagen darfst.
  • Werde niemals laut und spricht nicht mit genervter Stimme – auch wenn der Hund beim ersten Mal nicht folgt.
  • Texte deinen Hund nicht zu. Er achtet ohnehin ständig auf deine Körpersprache und weiß, wie du dich fühlst. Wenn du stets auf ihn einredest, ist das wie eine Geräuschkulisse. Draußen stört es ihn, denn dann muss er sich auf das Umfeld konzentrieren und wachsam sein.
  • Du musst deinen Hund nicht ständig und langwierig loben. Zeige ihm Wertschätzung.
  • Gib deinem Hund, was er als Hund braucht.

 

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Myriam

Hier blogge ich - Myriam F. Goetz

Ich liebe es, mit Tieren zusammen zu leben. Es ist schön, einen kleinen Freund an seiner Seite zu haben. Meine wichtigste Erkenntnis: Katzen ticken wie Katzen, Hunde wie Hunde und Menschen wie Menschen. Darum entstehen Missverständisse, die man vermeiden kann, wenn man nicht aus Menschensicht handelt. Dies und anderes erfährst du auf meinem Blog. Ich bin Journalistin und lebe in München.

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4 thoughts on “Keine Babysprache mit Hunden!

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag. Ich muss zugeben, ich spreche mit meinem Hund auch in niedlicher Sprache. Mein Benny ist eher ein ängstlicher Hund. Darum werde ich das jetzt mal sein lassen.
    Lisa

  2. Ich stimme dir voll und ganz zu. Endlich bringt es jemand zur Sprache! Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir immer menschliches Verhalten auf den Hund übertragen. Aber ein Hund reagiert wie ein Hund und nicht wie ein Mensch.

    1. Danke, liebe Andrea, für dieses nette Kompliment. Das freut mich!
      Damit das Zusammenspiel von Mensch und Hund funktioniert, sollten wir Hunde nicht vermenschlichen, sondern verhundlichen, nicht wahr? 🙂
      Liebe Grüße, Myriam

  3. Öhm, ich weiß mit Sicherheit, dass meine Hunde mich nicht als schutzbedürftig sehen, weil ich in Babysprache mit ihnen spreche. Von Rudeldingsbums haben sie auch nie was gehört.

    Komischer Artikel…

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