Warum Katzen lieber auf Sex verzichten würden

„Lass den Katzen doch ihren Spaß bei der Paarung!“ Welche Art von Spaß Katzen rund um den Deckakt tatsächlich haben.

 

Ein Kater geht kilometerweit, um seine Liebste zu finden. Die Kätzin ruft nächtelang nach ihrem Partner. Treffen beide aufeinander, umwirbt der Kater die Partnerin mehrere Stunden, bis sie ihn erhört. Paarung bei Kartzen ist romantisch ? Ist es nicht.

 


Inhalt:

 

 


 

So läuft bei Kätzinnen der Deckakt ab

Paarung bei Katzen: Deckakt
Paarung bei Katzen: Der Kater hält die Kätzin mit den Zähnen fest.

Die Paarung ist keine romantische Angelegenheit. Der Kater beißt die Kätzin in den Nacken und hält sie fest, während er den Deckakt vollzieht. Sein Penis ist mit Widerhaken ausgestattet, was der Kätzin beim Zurückziehen derart schmerzt, dass sie laut aufschreit. Dafür gibt es sogar einen Namen: der Begattungsschrei. Wenn der Kater jetzt nicht schnell genug das Weite sucht, verprügelt sie ihn.

 

 

Dann haben vielleicht Kater Freude am Sex?

Kater tragen erbitterte Katerkämpfe aus, bei denen sie sich schwer verletzen können. Ihre Krallen verursachen tiefe Wunden und die spitzen langen Eckzähne dringen tief ins Fleisch ein, verletzen Sehnen und Muskeln.

Oberflächlich heilen die Wunden oft schnell, aber darunter verursachen die Bakterien aus dem Speichel des Gegners Entzündungen, die zu eiternden Abszessen werden. Mit einher gehen oft Fieber und Lethargie.

Katerkämpfe
Bei den erbitterten Katerkämpfen geht es richtig zur Sache. Ein Glück, wenn nur die Ohren Schlitze davontragen.

Ich weiß das, weil ich vor vielen Jahren selbst einen unkastrierten Kater hatte. Um ehrlich zu sein, auch ich wollte ihm die Freude des Deckaktes nicht nehmen. Ich wusste es damals nicht besser.

Peterle war ein charmanter, wunderschöner grauer Kater. Sein Lieblingsplatz war eine Mauer im Garten. Jeden Abend, wenn ich nach Hause kam, wartete er dort auf mich. Im Winter lauerte er hinter Schneehügeln und versuchte mich zu erschrecken, indem er abrupt hervorsprang. Auch vor Schulkindern, die morgens auf ihrem Schulweg an ihm vorbeiliefen, machte er nicht Halt. Er war eine kleine Sensation bei den Kindern. Manche kamen zu spät zur Schule, weil sie mit Peterle Erschrecken spielten.

Als er erwachsen wurde, begann er nächtelang fort zu bleiben. Kehrte er zurück, war er in einem fürchterlichen Zustand. Seine Ohren geschlitzt, die Nase blutig, zweimal hinkte er, sein Fell zerrupft. Die Bisswunden bemerkte ich oft erst später, weil sie klein sind. Aber tief. Sie entzündeten sich und führten zu Abszessen. Mehrmals fuhr ich mit ihm zum Tierarzt.

 

Kater weit weg von zu Hause

Der tief verwurzelte Sexualtrieb zwingt Kater so lange unterwegs zu sein, bis sie eine paarungsbereite Partnerin finden. Sie nehmen weite Wanderungen auf sich, durchstreifen unbekannte Gebiete, überqueren fremde Straßen und lassen dabei jegliche Vorsicht außer Acht. Die meisten überfahrenen Katzen werden während der Partnersuche aufgefunden.

Kater auf Partnersuche
Bei der Partnersuche in fremden Gebieten. Fokussiert auf ihren Sexualtrieb lassen Kater jede Vorsicht außer Acht. Die meisen überfahrenen Katzen erwischt es auf der Partnersuche.

Katzen haben zwar einen sehr guten Orientierungssinn, aber fokussiert auf ihren Auftrag, wagen sie sich kilometerweit weit weg von zu Hause und finden oft nicht mehr zurück. Wenn sie Glück haben, landen sie im Tierheim.

 

Katze in Paarungsbereitschaft

Ist die Kätzin paarungsbereit, hat sie die Rolligkeit fest im Griff. Der Sexualtrieb ist stark, der Körper übernimmt die Herrschaft und handelt eigenmächtig. Die Kätzin frisst nicht, spielt nicht, sondern folgt mit jeder Zelle dem Sexualtrieb. Duckt ihren Körper, hebt das Hinterteil, tänzelt mit den Hinterbeinen. Stunde um Stunde. Jetzt bloß nicht die Katze anfassen, sonst wird’s noch heftiger.

 

Rollige Katzen sind hormonellen Belastungen ausgesetzt, die nur durch eine Befruchtung oder Kastration beendet werden können. Daher kommt es bei unkastrierten Kätzinnen, die ausschließlich in der Wohnung gehalten und nicht gedeckt werden können, zu einer hormonellen Überfunktion, der Dauerrolligkeit. Dann hört dieser Zustand gar nicht mehr auf.

 

Was Katzen nicht wissen

Unbemerkt von den Katzen laufen Vorgänge ab, von denen sie nichts ahnen. Und wenn sie es wüssten, würden sie trotzdem nicht anders handeln, denn sie haben keine Wahl.

 

Durch Bisse der Artgenossen infizieren sie sich mit tödlichen Krankheiten wie FeLV (Leukose), FIV oder FIP. Bei den Katern passiert dies durch die Bisse des Rivalen, weibliche Katzen stecken sich beim Nackenbiss des Katers während des Geschlechtsaktes an.

Zwar geraten Kater auch aus anderen Gründen in Streit, aber die Häufigkeit und Heftigkeit ist nicht mit Katerkämpfen zu vergleichen. Rollige Kätzinnen werden bei jedem Deckakt gebissen – und das ist nicht nur einmal pro Rolligkeit.

 

Was aus Peterle geworden ist

Damals, als Peterle mein Kater war, wusste ich von all dem nichts. Dafür schäme ich mich heute. Der schöne, stolze und verspielte Kater hatte bei Katerkämpfen oft den Kürzeren gezogen. Aus dem Kater war ein ängstliches Tier geworden. Selbst bei kleinen Geräuschen machte er vor Schreck einen Satz in die Luft. Es war, als ob ihm die Lebensfreude abhandengekommen war. Sein neckischer Blick verschwand, er wirkte verstört und traurig. Nur noch manchmal saß er abends auf der Mauer. Hinter Schneehügeln versteckte er sich nicht mehr. Trotzdem ging er weiter auf Tour, er konnte nicht anders. Ich ließ ihn gewähren, denn er wollte es ja so, dachte ich.

 

Als ich ihn kastrieren ließ, war es zu spät, denn Peterle hatte sich mit FeLV infiziert. Nach und nach brach sein Immunsystem zusammen, Magen und Darm waren entzündet, er entwickelte eine Anämie. Der Tumor, der manchmal bei FeLV entsteht, drang in die Niere ein, wodurch sein Unterleib verwachsen war. So lange er körperlich noch einigermaßen fit war, halfen Schmerzmittel. Aber an jenem Morgen, Peterle war dünn und abgemagert, setzte er sich vor mich hin und maunzte mich kläglich und unaufhörlich an. Er wollte einfach nicht mehr.

Die Tierärztin bot an, Infusionen zu geben, um die Einschläferung zwei, drei Tage hinauszuzögern. Aber ich blickte zu dem Häufchen Elend, dem Kater, der nur noch Schmerz empfand, und wollte ihn keinen Tag länger quälen. Er starb im Alter von fünf Jahren auf meinem Schoß, die Ärztin war so nett und ließ uns dabei alleine. Noch heute steigen mir die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Ich bedauere das alles so sehr. Ich wusste es damals einfach nicht besser.

 

Nach diesem Tribut, den nicht ich, sondern mein Kater bezahlte, ließ ich alle nachfolgenden Katzen kastrieren. Damit erspare ich den Tieren Verletzungen, erbitterte Katerkämpfe, nächtelanges Streunen, tagelange Rolligkeit und tödliche Krankheiten. Heute entscheiden meine Katzen selbst über ihr Leben und nicht der Sexualtrieb.

 

Paarung ist keine Bereicherung

 

Warum Katzen lieber auf Sex verzichten würden
Ein zufriedene Katze ist verspielt, interessiert und neugierig. Während des Sexualtriebs geht das alles verloren.

Paarung bei Katzen ist keine Bereicherung. Deine Samtpfote führt ein zufriedeneres Leben, wenn sie nicht im Griff des Sexualtriebes steckt und tagelange mit den Hinterbeinen tänzeln oder kopflos nach einer rolligen Partnerin suchen muss. Samtpfoten gehen lieber im Garten zum Schnüffeln, fangen Mäuse, spielen mit Artgenossen, schlafen ausgiebig, fressen was Gutes oder kuscheln mit dir. All das ist nicht möglich, wenn der Sexualtrieb sie im Griff hat.

 

Kastration ist ein Geschenk an deine Katze, keine Strafe.

 

Das Wichtigste in Kürze: Paarung bei Katzen

 

  • Der Geschlechtstrieb ist bei Katzen erheblich intensiver als bei uns Menschen.

 

  • Katzen sind diesem Trieb ausgeliefert und haben keine andere Wahl, als nach einem Partner zu suchen.

 

  • Während dieser Zeit sind Katzen auf ihren Auftrag fokussiert und haben für nichts anderes Zeit und Lust.

 

  • Die meisten überfahrenen Katzen sind Kater auf Partnersuche.

 

  • Rolligkeit bei Katzen kann nur durch den Deckakt oder Kastration beendet werden. Ansonsten entsteht Dauerrolligkeit.

 

  • Bei den heftigen Katerkämpfen entstehen Verletzungen, auch schwere.

 

  • Durch Katerkämpfe oder Nackenbisse während der Begattung infizieren sich Katzen mit Krankheiten wie FeLV, FIV oder FIP.

 

 

Wann kastrieren?

Ein Kastration sollte erfolgen, wenn die Geschlechtsreife beginnt, im Alter von fünf bis sieben Monaten.

 

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Myriam

Hier blogge ich - Myriam F. Goetz

Ich liebe es, mit Tieren zusammen zu leben. Es ist schön, einen kleinen Freund an seiner Seite zu haben. Meine wichtigste Erkenntnis: Katzen ticken wie Katzen, Hunde wie Hunde und Menschen wie Menschen. Darum entstehen Missverständisse, die man vermeiden kann, wenn man nicht aus Menschensicht handelt. Dies und anderes erfährst du auf meinem Blog. Ich bin Journalistin und lebe in München.

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One thought on “Warum Katzen lieber auf Sex verzichten würden

  1. Liebe Myriam, danke für deinen Thread. Was das Thema Kastration angeht, so war und bin ich Kastrationsgegner. Obwohl mich dein Bericht schon zum Nachdenken gebracht hat. Ich habe schon viele Berichte in Katzenforen gelesen, die zu 98% pro Kastration sind. Bei Hunden geht die Schere weit auseinander. Zumal es da wirklich Argumente gegen Kastration gibt. Oft auch von Tierärzten. Aber wie sieht es bei Katzen aus? Nun was die Geburtskontrolle angeht, so gibt es ja auch Sterilisation oder andere Hormonpräparate. Also ist dies meines Erachtens kein Grund für Kastration. Viele meinten, das trotz Sterilisation der Sexualtrieb erhalten bleibt. Ich sagte: Ja und? Das ist doch ein normaler Trieb, außerdem ein schwerer Eingriff in den Hormonhaushalt, besonders bei Frühkastraten. und das diese meist fetter werden, weil sie ihren ausgebliebenen Sexualtrieb mit Essen kompensieren und allgemein etwas “ dümmlich“ wirken konnte ich auch oft beobachten. Ich finde es nach wie vor schlimm eine Katze zu kastrieren aus reiner Bequemlichkeit des Besitzers. Von wegen der ist jetzt viel verschmuster und verspielter. Ich liebe mein Tier und schnippel es mir nicht einfach zu recht, damit ich es einfacher habe. Desweiteren war der Gedanke, dass die Katzen ja gar keinen Sex haben und gesunde Organe entfernt werden,ein weiterer Grund dagegen zu sein. Klar, Katzensex hat nichts mit Liebe zu tun, aber das heißt js nicht, dass es keinen Spaß macht. Das Konstrukt der Liebeshochzeit gibt es ja auch erst bei den Menschen seit ca. Anfang des 19.Jahrhunderts, davor hat man ja geheiratet, um eine gute Partie zu machen, besonders die katholischeKirche bläute den Leuten ein: Sex nur in einer heterosexuellen Ehe und nur um Kinder zu zeugen. Auch heute gibt es Leute die One night Stands und Affären haben. deshalb ist die Begründung: Katzen machen es nicht aus Liebe auch jein Grund für eine Kastration. Zumal, genau wie beim Mann, auch ein Kater erst mal erregt sein muss, um einen „Steifen“ zu kriegen und einen Orgasmus muss er auch haben. Deswegen denke ich durchaus, dass Kater auch Spaß am Sex haben. Trotzallen muss man natürlich abwegen, wie du schin richtig sagtest: Ist der Stress nicht höher als der Spaß? Was deinem Katerchen passiert ist, tut mir natürlich leid. FIV ist der sogenannte Katzenaids, aber im Gegensatz zu HIV kann man dagegen impfen.und das hättest du tuen sollen, dann wäre das Problem schon mal gelöst gewesen. Was meine persönlichen Erfahrungen angeht, so kannte ich bisher 2 unkastrierte Kater und die waren sehr lieb, schlugen sich nicht znd waren auch umgänglich mit anderen Katzen. Vielleicht waren sie die Ausnahme , vielleicht war auch dein Kater leider die Ausnahme. Ich weiß es nicht. Ich muss aber dazu sagen, das dies nicht meine Kater waren. Desweiteren lass ich schon Berichte von Besitzern sterilisierter Kater die auch nicht diese Probleme hatten, wie du sie schilderst. Zumal sich auch Kastraten prügeln!!! Ich denke , jedes Lebewesen hat ein Recht auf Sexualität auch wenn es mut menschlicher Sexualität freilich nicht gleich zu setzen ist. Dein Bericht hat mich trotz all meiner Gegenargumente schon etwas zum Nachdenken gebracht. Ich wünsche dir und deinen Tieren alles Gute!!!

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