Keine Panik vor Borreliose

Die Diagnose „Borreliose“ ist häufig eine Fehl-Diagnose. Denn an Borreliose erkranken Hunde und Katzen äußerst selten. Das bestätigen verschiedene Fakten und Studien.

 

Hunde und Katzen erkranken selten an Borreliose.
Die meisten Hunde und Katzen werden von Zecken mit Borrelien infiziert – aber sie erkranken äußerst selten an Borreliose.

 

Borreliose ist ein Schreckgespenst. In Wirklichkeit stellt Borreliose für Hunde und Katzen nur eine gerinfügige Gefahr dar. Die Erkrankung ist eine Mode-Erscheinung und wird häufig überdiagnostiziert.

 


Inhalt:
 


 

Borreliose bei Hunden: Ansteckungs-Risiko

Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Wölfe sind gegen Borreliose immun. Sie werden von tausenden Zecken gestochen, aber sie erkranken nicht. Das betrifft eigentlich auch Hunde, aber bei einigen wenigen ist das Immunsystem nicht in der Lage, die Bakterien zu überwältigen. Dabei handelt es sich meist um Hunde mit geschwächter Immunabwehr.

 

Erkrankt ein Hund tatsächlich an Borreliose und schlägt Antibiotika nicht an, ist das ein schwerer Schicksalsschlag. Die Symptome tauchen immer wieder in Schüben auf und beeinflussen das Hundeleben erheblich. Kein Wunder, dass wir alle Angst vor Borreliose haben. Aber: Die Gefahr ist sehr gering:

 

Borreliose ist beim Hund äußerst selten.

Prof. Dr. Katrin Hartmann, Medizinische Kleintierklinik der Ludwig-Maximians-Universität

 

 

Von den Hunden, die mit Borrelien in Kontakt kommen, erkranken weniger als 0,1 % tatsächlich an Borreliose schreibt Dr. Roland Friedrich in seinem Fachartikel. Er sagt:

 

Viele Infizierte scheinen eine genetisch bedingte Resistenz zu besitzen und auch nach zahllosen Zeckenbissen nie zu erkranken, selbst dann, wenn sich die Bakterien im Körper ausbreiten

Dr. Roland Friedrich, Professor i.R. für Virologie und molekulare Onkologie am Universitätsklinikum Gießen

 

 

Borreliose bei Katzen: Ansteckungs-Risiko

Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse erkranken Katzen so gut wie nie an Borreliose. Zwar werden Borrelien beim Zeckenstich auch auf Katzen übertragen, aber der Organismus bekämpft die Bakterien sehr erfolgreich (dasselbe gilt übrigens auch für FSME).

 

Viele Jahre dachten Experten, dass Katzen resistent gegen Borreliose-Bakterien sind. Denn selbst in diversen Studien wurden keine Katzen gefunden, die an Borreliose erkrankt waren. So selten ist Borreliose also bei Katzen. Inzwischen sind einige wenige Borreliose-Erkrankungen bekannt geworden. Aber die Zahl ist derart gering, dass Borreliose bei Katzen quasi keine Rolle spielt.

 

Katzenbesitzer müssen sich in Deutschland eher vor Erkrankungen fürchten, die durch Flöhe übertragen werden: Infektiöse Anämie, Katzenkratz-Krankheit, Dipylidiose.

 

 

Ist es schlimm, wenn bei meinem Tier Antikörper gefunden werden?

Bei Verdacht auf Borreliose wird der Tierarzt Blutuntersuchung vornehmen und auf Antikörper untersuchen. Häufig ist das Ergebnis positiv. Was bedeutet das?

 

Sobald Borrelien in Hund und Katze eindringen, produziert das Immunsystem Antikörper und bekämpft die Bakterien. Dadurch verschwinden die Borrelien, zurück bleiben Antikörper. Sie sind quasi Zeugen der Auseinandersetzung. Antikörper sind eine gute Sache, denn sie wirken wie eine natürliche Impfung gegen Borreliose. Der Körper ist jetzt auf die Gefahr eingestellt und reagiert beim nächsten Borrelien-Angriff noch schneller und efftiver. Antikörper sind nichts Schlimmes!

 

Bei Katzen gibt es keine Zahlen, aber bei fast alle Hunden, die mit Zecken in Berührung kommen findet man Antikörper. In manchen Gebieten sind das mehr als 90 %.

Etwa 5 bis 35 % der Zecken sind mit den gefürchteten Borrelien infiziert.
Etwa 5 bis 35 % der Zecken sind mit den gefürchteten Borrelien infiziert – aber sie können unseren Haustieren meist nichts anhaben.

 

Wie kommt die Diagnosen „Borreliose“ zustande?

Borreliose kann man nicht diagnostizieren. Zwar werden verschiedene Labouruntersuchungen angeboten, diese sind aber nicht zuverlässig und arbeiten fehlerhaft (Quelle: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Büren).

 

Auch gibt es bei Borreliose keine Symptome, die typisch sind. Stattdessen zeigt sich die Krankheit mit vielen unspezifischen Symptomen, die auch bei einer Menge anderen Erkrankungen auftreten.

 

Die Diagnose „Borreliose“ entsteht meistens dann, wenn zwei Begebenheiten zusammenkommen:

 

  1. Das Tier lahmt.
  2. Bei der Blutuntersuchung werden Borreliose-Antikörper gefunden.

 

Bei Verdacht auf Borreliose verordnen Tierärzte Antibiotika. Schlägt die Behandlung an, gilt die Borreliose als erwiesen. Jedoch können die Symptome von anderen Krankheiten stammen, die eben auch durch Antibiotika verschwinden. Liegt zum Beispiel in Wirklichkeit eine Arthritis vor, bessern sich die Symptome natürlich durch Antibiothika.

 

Kathrin Bormann, Hundephysiotherapie & Osteopathie kennt solche Diagnosen aus ihrer Praxis:

„Des öfteren wird die Diagnose Borreliose gestellt, da ein positiver Antikörper-Test durch Blutabnahme ermittelt wurde und zudem in den meisten Fällen eine Lahmheit vorliegt. Jedoch kann eine Lahmheit viele verschiedene Ursachen haben.“ […] In so einem Fall wird zumeist eine längere Antibiotika-Gabe verordnet.

Jedoch sagt ein positiver Antikörper-Test nicht aus, dass auch eine Erkrankung vorliegt! Und selbst ein Erfolg von langen Antibiotika-Gaben ist keinerlei Bestätigung, dass auch wirklich eine Borreliose vorliegt, denn durch knorpelschützende Eigenschaften dieser Medikamente bessert sich häufig die Arthritis.“

(Quelle: Borreliose – ja oder nein)

 

Warum Borreliose oft eine Fehl-Diagnose ist

Die Fakten:

  • Etwa 5 bis 35 % der Zecken in Deutschland sind von Borreliose-Bakterien, den Borrelien, befallen – mit starken regionalen Schwankungen (Quelle: Robert-Koch Institut).
  • Nur 0,5 bis 1,5 % der Menschen, die von einer Zecke gestochen wurden, erkranken tatsächlich an Borreliose (Quelle: Robert-Koch Institut).
  • Weniger als 0,1 % der Hunde, die von Zecken gestochen wurden, erkranken an Borreliose (Quelle: u.a. Dr. Roland Friedrich)
  • Bei Katzen gibt es keine genauen Zahlen, aber sie erkranken noch seltener als Hunde an Borreliose (Quelle: u.a. Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin)
  • Infektion bei Hunden und Katzen sind häufig, Erkrankung selten, da i.d.R. Regel eine natürliche Resistenz vorliegt (Quelle: u.a. Kleintierpraxis Rossi)
  • Ca. 90% aller Hunde, die regelmäßig Zecken ausgesetzt sind, tragen Borrelien-Antikörper (Quelle: u.a. Dr. Roland Friedrich)
  • Schätzungen aus den USA gehen davon aus, dass nur 5 % der Hunde, die die Diagnose Borreliose erhalten, tatsächlich an Borreliose leiden (Quelle: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Büren).

 

Borreliose wird vielfach falsch diagnostiziert

Dr. Roland Friedrich, Professor Professor i.R. für Virologie und molekulare Onkologie
am Universitätsklinikum Gießen

 

Im Gegensatz zu den Fakten steht die weit verbreitete Panik, die jedes Jahr bei uns Tierbesitzern die Zeckenzeit auslöst. Kein Wunder, schließlich will man sein Liebling nicht an diese fürchterliche Krankheit verlieren. Das Internet ist voll mit angstvollen Debatten über Borreliose. Rund um den Zeckenschutz ist eine Industrie entstanden.

 

Dabei ist die Chance, dass du dich mit Influenza (Grippe) ansteckst, um ein vielfaches höher, als dass dein Hund an Borreliose erkrankt. In Deutschland infizieren sich während der jährlichen Grippewellen nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 5 % bis 20 % der Bevölkerung. An Borreliose erkranken nur 0,1 %. Borreliose wird oft fälschlicherweise diagnostiziert.

 

Diese Zahlen muss man im Blick behalten, wenn man seine Haustiere mit Chemie vollpumpt, um sie vor Borreliose zu schützen. Ich will nicht dazu aufrufen, auf den Zeckenschutz bei Hunden und Katzen zu verzichten. Aber die Verhältnismäßigkeiten zurechtrücken. Jeder muss selbst entscheiden, wie er mit den Fakten umgeht.

 

Den Beitrag kannst du gerne teilen.

 

Alle Quellen auf einen Blick:

 

 

Auch interessant:

Borreliose beim Hund

Zecken richtig entfernen – und was du tun musst, wenn der Kopf stecken bleibt

So traumatisierst du deinen Hund

 

Weiter zu:

Hunde

Katzen

Videos

 

Beitragsfoto: (c) binah01, fotolia.com

Artikelfotos: (c) DoraZett, fotolia.com, (c) binah01, fotolia.com

Weiterlesen

Myriam

Hier blogge ich - Myriam F. Goetz

Ich liebe es, mit Tieren zusammen zu leben. Es ist schön, einen kleinen Freund an seiner Seite zu haben. Meine wichtigste Erkenntnis: Katzen ticken wie Katzen, Hunde wie Hunde und Menschen wie Menschen. Darum entstehen Missverständisse, die man vermeiden kann, wenn man nicht aus Menschensicht handelt. Dies und anderes erfährst du auf meinem Blog. Ich bin Journalistin und lebe in München.

TeilenShare on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+Share on LinkedInShare on Tumblr

One thought on “Keine Panik vor Borreliose

  1. Ein Thema, das nicht unterschätzt werden sollte, gerade zur jetzigen Jahreszeit. Man kann also nicht genug darüber berichten. Trotzdem bringt es natürlich nichts, sich total reinzusteigern. Auf der Seite
    habe ich auch noch einen interessanten Beitrag zum Thema Borreliose gelesen, falls sich jemand noch weiter erkundigen möchte. Eine Frage an alle: Habt ihr irgendwelche Tipps, wie ihr bei eurem Hund Zecken leichter findet? Meiner hat ziemlich langes, zotteliges Fell und es ist echt jedes Mal nach dem Spaziergang so, als würde ich die Nadel im Heuhaufen suchen…Danke & LG, Larissa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.