Warum ein Kampfhund kein „Listi“ ist

Ein Jagdhund ist ein Jagdhund, ein Hütehund ein Hütehund. Und ein Kampfhund ist ein Kampfhund. Ob es uns gefällt oder nicht.

 

Vor vielen Jahren habe ich in einem Telefonat den Begriff „Kampfhund“ verwendet und wurde sogleich zurechtgewiesen. Es war mir ein bisschen peinlich, denn ich sprach gerade mit einer Tierschützerin, die mich beauftragt hatte, über Hunde zu schreiben, die seit Jahren im Tierheim saßen und dort voraussichtlich den Rest ihres Lebens fristen mussten. Nämlich Kampfhunde. Nach der unsäglichen Kampfhundeverordnung wurden die Tierheime von Kampfhunden geradezu überflutet. Viele mussten aufgrund der Verordnung eingeschläfert werden. Das war die Kernaussage des Artikels.

 

Von nun an hießen Kampfhunde in meinen Texten „Anlagehunde“ oder „Listenhunde“. Diese Begriffe resultieren aus der Kampfhundeverordung, in der die betroffenen Hunde in der Anlage oder in der Rasseliste angehängt sind. Alternativ war auch die Betitelung „sogenannte Kampfhunde“ oder „Listi“ erlaubt.

 


Inhalt:

 


 

Kampfhund Bullterrier
Bullterrier sind sehr anhänglich, lieben ihre Familie bis zur Selbstaufgabe und kuscheln gerne. Aber wenn sie in den Kampfmodus schalten, wird es richtig gefährlich.

 

Der Jagdhund jagt, der Wachhund wacht. Und der Kampfhund?

Ein Beagle ist ein Jagdhund, ein Berner Sennehund ein Herdenschutzhund und ein Border Collie ist ein Hütehund. Wer Pitbull & Co. jedoch Kampfhund nennt, kassiert einen Aufschrei in der Hundeszene und virtuelle Ohrfeigen in den Sozialen Medien.

Seit Generationen züchten wir Hunde nach unseren Wünschen. Darum kann kaum ein Beagle-Besitzer seinen Hund im Wald frei herumlaufen lassen. Der Beagle sucht nach Fährten und folgt Spuren und ist dermaßen bei der Sache, dass der Besitzer so oft und so laut „Komm“ rufen kann, wie er will, der Hund kommt einfach nicht. Der Beagle ist in diesem Moment taub. Er ist im Jagdmodus.

 

Einem Schäferhund muss niemand erklären, dass er Haus und Hof schützen soll. Er bewacht, ohne dass ihm dies jemand beigebracht hat. Er bewacht sogar dann, wenn wir das gar nicht wünschen. Denn es steckt ihm im Blut.

 

Der Hütehund hingegen hütet. Instinktiv. Einmal war ich mit Freunden und deren Border Collie beim Wandern. Wir trennten uns in zwei Gruppen auf, weil ein Teil der Leute den leichteren und die andere Gruppe den anspruchsvolleren Weg gehen wollte. Und wie reagierte der Border Collie? Er trieb uns freundlich, aber bestimmt, wieder zusammen. Dabei hat dieser Hund in seinem Leben noch nie Schafe gehütet.

 

Stafford Bullterier, Pitbull und Co. wurden für den Kampf gezüchtet. Die Hunde mussten gegen Bullen kämpfen, später in Hunde-Arenen gegen andere Tiere, zum Beispiel gegen Dachse, Bären, Löwen, Bullen oder Artgenossen. Für diesen Verwendungszweck wurden sie über Generationen selektiert. Und das soll keine Auswirkung auf den Hund haben? Es wird gerne behauptet, dass das Problem am anderen Ende der Leine liegt. Mal ehrlich: Natürlich können Menschen jeden Hund zur Kampfmaschine erziehen, aber beim Kampfhund steckt der Kampf in der Veranlagung.

 

Wie aus der Englischen Bulldogge eine Kampfmaschine wurde

Ein Beispiel, wie effektiv Züchtung funktioniert: Für die Kämpfe in englischen Arenen setzte man Englische Bulldoggen ein. Bulldoggen sind gute Kämpfer, weil sie sich verbeißen und nicht mehr loslassen. Sie sind mutig, tapfer, angriffslust, angstlos. Aber der Kampf läuft unblutig an. Um blutrünstige Kämpfe in die Arena (englisch „Pit“) zu bringen, kreuzte man die Englische Bulldogge mit dem Terrier. Der Pit Bull Terrier vereint nun die Schnelligkeit und Beweglichkeit des Terriers mit Ausdauer, bedingungsloser Tapferkeit und Kampfeslust der Bulldogge.

 

Weil ein Kampfhund für den Tierkampf gezüchtet wurde, richtet sich seine Aggressivität normalerweise gegen andere Tiere, meist Hunde, und nicht gegen Menschen. Das ist angezüchtet, weil sich während der Kämpfe Menschen in den Arenen aufhielten. Kampfhunde mussten sich während des Kampfes anfassen und sogar hochheben lassen. Darum sind diese Hunde gegenüber Menschen freundlich und anhänglich bis zu Selbstaufgabe – und sie kuscheln gerne. Das ist die eine Seite von Kampfhunden.

 

Kampfhunde sind gefährlich, wenn sie zubeißen

Die andere Seite sieht so aus: Bei der Zucht von Kampfhunden war die wichtigste Eigenschaft die Bereitschaft, einen Kampf selbst unter Schmerzen und bis zum Tod zu Ende zu bringen. Das macht Kampfhunde gefährlich. Man kriegt sie aus dem Kampfmodus nicht mehr heraus. Sie verbeißen sich und selbst wenn man den Hund verprügel, ihn auf dem Kopf schlägt und ihm richtig weh tut, lässt er nicht los.

Kampfhund mit Maulkorb
Je nach Bundesland müssen bestimmte Hunde entsprechend der Hundeverordnung Maulkorb tragen. Am häufigsten beißen übrigens nicht Pitbull & Co. sondern der Schäferhund.

Aber es kommt natürlich, wie bei allen Hunden, darauf an, wer den Hund erzieht. In den falschen Händen sind Kampfhunde eine Waffe. Auch im Rudel folgen Hunde anderen Gesetzen. Darum passieren Angriffe oft nicht durch einen einzelnen Hund, sondern durch mehrere. Im Rudel ticken Hunde anders.

 

Ich bedauere das sehr und um ehrlich zu sein, schäme ich mich, was wir den Hunden angetan haben, besonders deshalb, weil wir sie zuerst nach unseren Wünschen gestalten und dann nichts mehr von ihnen wissen wollen. Ich empfinde viel Mitgefühl mit  Kampfhunden, die nach der unsäglichen Kampfhundeverordnung in den Tierheimen schmachten müssen, weil sie niemand mehr haben will. Was wir tun, ist nicht richtig. Wir sollten Verantwortung tragen, für das, was wir anrichten.

 

Dennoch, auch wenn es uns nicht gefällt: Heute stehen zwar bei der Zucht keine Kampfeigenschaften mehr im Vordergrund, aber die über Generationen gezüchtete Veranlagung verschwindet nicht einfach so – genausowenig wie beim Beagle die Jagdfreude oder beim Border Collie der Wunsch zu Hüten.

 

Wenn ein Kampfhund beißt, dann beißt er richtig zu – so haben wir es den Hunden angezüchtet. Wenn ein Kampfhund in den Kampfmodus wechselt, möchte ich nicht dabei sein. Kampfhunde sind gefährlich, wenn sie zubeißen. Ob es und gefällt oder nicht. Punktum

 

 

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2 thoughts on “Warum ein Kampfhund kein „Listi“ ist

  1. Das sehe ich ganz ähnlich – vor allem schäme ich mich auch dafür, was wir den Tieren angetan haben. Tierkämpfe sind, finde ich, vollkommen unnötig. Es gab bzw. gibt keinen triftigen Grund, wieso wir Menschen unsere Blutrünstigkeit auf andere Lebewesen hätten übertragen sollen.

    Zwar habe ich tatsächlich noch keinen Kampfhund im Kampfmodus getroffen sondern immer nur ausgesprochene Kampfschmuser – aber die teilweise wirklich sehr stämmigen Tiere mit kurzen Schnauzen, die sie zudem noch am Atmen hindern, entlocken mir oft genug ein inneres Kopfschütteln. Gerenell sollten diverse Züchtungen nochmal gründlich überdacht werden…

    1. Danke, liebe Sabrina, für deinen Kommentar.
      Wenn wir Tiere für Kämpfe erschaffen, dann sollten wir wenigstens so anständig sein und für das Resulat die Verantwortung tragen.

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