Ängstliche Katze eingewöhnen – so gelingt es

Deine Katze lässt sich nicht streicheln? Sie nimmt Reißaus, wenn du zu nahe kommst? Wie du deine scheue, ängstliche Katze eingewöhnen kannst und zutraulich machst.

Wenn du eine ängstliche Katze eingewöhnen möchtest, muss du dich ihr langsam annähern. Dabei solltest du eine bestimmte Reihenfolge einhalten, sonst kann es passieren, dass deine Katze ihre Angst niemals verliert. Die Vorgehensweise gilt für neu eingezogene ängstliche Katzen, aber auch für Katzen, die schon längere Zeit bei dir wohnen und immer noch scheu und ängstlich sind. Ist letzeres der Fall, fang mit ihr bitte nochmal von vorne an.

Auch für die Katze ist es übrigens kein Spaß, ständig in Furcht zu leben. Aber wenn eine scheue Katze ihre Angst erstmal überwunden hat, reagiert sie geradezu befreit. Und sobald das Eis zwischen euch gebrochen ist, wirst du eine lebenslange, tiefe Freundschaft erfahren.

 


Inhalt:


 

Ängstliche Katzen eingewöhnen

Starre eine ängstliche Katze niemals an

Denke immer daran, dass du eine ängstliche Katze nicht mit den Augen fixieren darfst. Aus Katzensicht wirkt das extrem bedrohlich. Beobachte mal Katzen untereinander: Sie schauen sich gegenseitig niemals direkt in die Augen. Fixiert wird die Beute. Starrst du also deine Katze an, rechnet sie damit, dass du über sie herfällst. Die Katze fürchtet tatsächlich um ihr Leben. Darum reagieren sie oft so heftig. Also schau an der Katze vorbei.

 

Ein eigener Raum

Willst du eine ängstliche Katze eingewöhnen, braucht sie erstmal Sicherheit. Richte ihr darum für ein, zwei Tage einen eigenen, ruhigen Raum ein. Hinein stellst du folgendes:

  • Katzenklo – ohne Haube
  • Futternapf – möglichst weit vom Katzenklo entfernt
  • Wasserschale – in eine andere Ecke als Futternapf und Katzenklo
  • Kratzbaum
  • Schlafplatz – an einem geschützen Ort, z.B. auf dem Schrank. Niemals, also wirklich niemals, dringst du in diese Sicherheitszone ein.
  • Spielsachen – geräuschlos. Beim Hineinbeißen oder Herumwerfens entstehen keine Geräusche.

Ganz wichtig für deine ängstliche Katze ist ein Versteck, in das sie flüchten kann und in dem sie auch schläft. Ein Zufluchtsort, an dem sie sich sicher fühlt und auch in Ruhe schlafen kann. Die meisten Katzen fühlen sich auf erhöhten Plätzen sicher, z.B. auf dem Schrank. Positioniere dort eine Katzenhöhle und stelle einen Kletterbaum neben den Schrank, den sie als Leiter nutzen kann.

Manche Katzen bevorzugen aber auch Verstecke am Boden, z.B. unter dem Bett. Der Schlitz unter dem Bett sollte aber mindestens an zwei Seiten geschlossen sein z.B. durch eine Decke, die vom Bett herunterhängt. In diese Sicherheitszone darfst du niemals, wirklich niemals eindringen.

 

Ängstliche Katze eingewöhnen: Lass sie erstmal in Ruhe

Damit sich deine ängstliche Katze eingewöhnen kann, lässt du sie anfangs völlig in Ruhe. Du versuchst nicht mal, mit ihr zu spielen. Du bringst Futter, wechselst das Wasser und machst das Katzenklo sauber – mehr nicht.

So agierst du im Katzenzimmer:

  • du bewegst dich sehr, sehr langsam und bedächtig
  • du machst keine lauten Geräusche, klapperst nicht mit Näpfen und läufst strumpfsockig herum, damit deine Schritte leise sind
  • du redest leise vor dich hin
  • du starrst die Katze nicht an
  • du hältst dich nicht länger als nötig im Katzenzimmer auf

 

Nimm langsam Kontakt auf

Der erste Kontakt erfolgt allein durch deine Anwesenheit und deine Stimme:

  • Schnapp dir eine Zeitung oder ein Buch, setze dich auf den Boden und lese der Katze etwas vor. Gut ist, wenn sie dich dabei sehen kann.
  • Wenn sich eure Blicke kurz kreuzen, schließt du kurz die Augen. Dieses Blinzeln bedeutet: Ich tu‘ dir nichts, ich bin freundlich, alles ist in Ordnung. Diese Geste verwenden Katzen untereinander.
  • Sprich mit betont liebevoller Stimme. Du kannst auch leise singen.

 

Kontakt steigern

Wenn deine ängstliche Katze nicht mehr starr vor Angst ist, wenn du im Zimmer sitzt, kannst du den Kontakt langsam steigern. Das funktioniert am besten über den Spieltrieb. Allerdings darfst du deiner Katze nicht zu nahe kommen – erst recht nicht mit der Hand.

Darum besorge dir ein Spielzeug mit langem Stil, z.B. sowas in der Art:

Ängstliche Katze eingewöhnen mit einer Katzenangel Wie du eine ängstliche Katze eingewöhnen kannst: Spielen mit der Katzenangel.

 

Setze dich in einem Abstand von ungefähr 1,5 Metern vor die Katze – und schaue sie nicht an. Wir wissen inzwischen: Katzen verhalten sich ängstlich, wenn du sie anstarrst. Hin und wieder dürfen sich eure Blicke kurz kreuzen, dann blinzelst du kurz und schaust wieder weg.

Stelle ein Kissen senkrecht vor dich und schiebe die Katzenangel unten durch. Das Kissen liegt also auf der Katzenangel, die Federn zeigen natürlich zur Katze. Bewege nun die Angel. Folgt die ängstliche Katze dem Spielzeug mit den Augen? Wenn ja, ist das ein erster Erfolg.

Warum das Kissen? Es gibt deiner Samtpfote Sicherheit, denn es ist ein Schutzschild zwischen der Katze und dem angsteinflößendem Menschen.

Wenn deine Katze der Angel über einen längeren Zeitraum interessiert mit den Augen folgt und keine Angst mehr zeigt, rückst du etwas näher an sie heran, damit sie pföteln kann – wenn sie will. Bitte noch immer an die Katze nicht direkt ansehen.

Wenn sie merkt, dass von dir keine Gefahr ausgeht, wird sie sich immer mehr trauen. Aber nur, wenn sie zu keiner Zeit einen Schrecken bekommt. Versuche nicht, sie zu streicheln und achte darauf, dass das Kissen fest auf dem Boden steht und nicht umfällt. Das würde deine ängstliche Katze fürchterlich erschrecken und alles bis dahin aufgebautete Vertrauen wäre dahin.

Bei dem Spielzeug sollte es sich nicht um eine Katzenangel handeln, weil du sie durch die lange Schnur unter dem Kissen kaum hin- und herbewegen kannst.

Kaufen kannst du einen Federwedel in jedem Tiergeschäft. Bewährt hat sich folgendes Spielzeug, weil es auch raschelt und kaum eine Katze widerstehen kann:

Federangel, zaBouncer, im Online-Shop kaufen*

 

Nähe geht von der Katze aus

Widerstehe unbedingt dem Impuls, die Katze anzufassen – auch wenn es schwer fällt. Beginne mit der nächsten Annäherungsphase immer erst dann, wenn sie bei der aktuellen Übung keine Angst mehr zeigt. Startest du die nächste Phase, und die Katze reagiert darauf ängstlich, schaltest du wieder einen Gang zurück.

Die Mieze wird im Laufe der Zeit den Abstand zu dir nach und nach verringern, und dich irgendwann vorsichtig beschnuppern wollen. Bleibe dann ruhig sitzen und bewege dich nicht. Lass sie überall schnuppern, wo sie möchte. Wenn du deine Katze unterstützen willst, lege dich auf den Boden und schließe die Augen. So kann sie dich auf Augenhöhe beschnuppern.

Gewöhne sie langsam an dich und halte ihr deine Hand zum ausgiebiggem Beschnuppern hin. Warte mit dem Anfassen so lange, bis deine Katze ihr Köpfen an dir reibt. Dann ist der Zeitpuntk für einen vorsichtigen Versuch gekommen. Streichele dann langsam und vorsichtig über ihr Köpfchen. Duldet sie das, kannst du auch über ihren Körper streicheln. Mag sie das nicht, unterbrichst du den Körperkontakt sofort.

Nach und nach wird sich deine ängstliche Katze eingewöhnen und ihre Scheu verlieren. Es wird immer mal wieder Rückschläge geben, dann schalte zurück und schenke der Katze wieder Distanz.

Je nachdem, wie scheu sie ist, kann die Eingewöhnung Tage, Wochen oder sogar Monate dauern. Eine ängstliche Katze fürchtet um ihr Leben. Sie rechnet damit, dass du ihr den Hals umdrehst. Und weil sie Todesangst durchlebt, reagieret sie extrem heftig, kratzt und beißt.

 

Ängstliche Katze eingewöhnen: Das Wichtigste in Kürze

  • In den ersten ein, zwei Tagen lässt du sie völlig in Ruhe. Überlasse ihr ein eigenes Zimmer, in dem sie sich ganz alleine aufhalten darf. Du betrittst das Zimmer nur zum Füttern und Katzenklosaubermachen. Dabei schaust du die Katze niemals an. Achte darauf, dass die Katze ein sicheres Versteck hat.

 

  • Der erste Kontakt erfolgt nur durch deine Stimme. Setze dich in den Raum der Katze, am besten an einen Ort, wo sie dich sehen kann, und rede mit ihr oder lese mit sanfter Stimme ein Buch. Eure Blicke treffen sich nur gelegentlich und kurz, dann blinzelst du sie an.

 

  • Nutze den Spieltrieb. Mit einem Katzenspielzeug mit langem Stiel und einem Kissen als Schutzwall  spielst du vorsichtig mit ihr. Dabei kommst du der Katze nicht zu nahe.

 

  • Wenn die Katze ihre Scheu langsam verliert und von selbst näher kommt, lässt du dich beschnuppern, ohne dich zu bewegen.

 

  • Wenn sie von selbst zu dir kommt, hältst du ihr die Hand zum ausgiebigem Beschnuppern hin. Erst danach streichelst du vorsichtig übers Köpfchen. Falls sie das duldet, kannst du auch über ihren Körper streicheln.

 

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Foto: (c) Magnus Pomm, Fotolia.com

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